Was, wenn die Perimenopause nicht das Ende ist –
sondern ein Erwachen?
Von Dana | Authensia®
Ein anderer Blick auf eine Phase, die gerade in aller Munde zu sein scheint
Ich scrolle durch meinen Feed und lese: mehr Eiweiß. Mehr Krafttraining. Mehr Kreatin. Mehr Schlaf. Weniger Zucker, weniger Stress, mehr von diesem, weniger von jenem. Alles richtig. Alles gut gemeint. Und trotzdem hinterlässt diese Flut an Informationen und gut gemeinten Ratschlägen bei mir ein Gefühl der Überforderung. Und noch etwas, was mich nicht loslässt.
Das Gefühl, dass ein Blickwinkel auf das Thema völlig fehlt.
Die Perimenopause scheint gerade in aller Munde – und das ist gut so. Lange wurde diese bedeutende Lebensphase einer Frau abgetan, übergangen, bagatellisiert. Frauen haben echte Symptome, manchmal schwere, und sie haben ein Recht darauf, dass diese anerkannt werden. Dass Hilfe angeboten wird. Dass die nicht kleingeredet werden.
Das ist wichtig. Das ist Würde. Das ist zeitgemäß. Und ich stehe vollständig dahinter.
Und gleichzeitig vermisse ich bei all den Überlegungen und Bemühungen eine Frage. Eine einzige Frage, die für mich alles verändert hat, als ich sie mir selbst gestellt habe:
Was erwacht hier eigentlich?
Ich bewege mich selbst in besagtem Zeitfenster. Nicht als Außenstehende, die theoretisch über Hormone spricht, sondern als Frau mittendrin. Und ich habe gemerkt, dass neben allem, was diese Phase von mir fordert, in meinem Inneren etwas passiert, das ich lange nicht benennen konnte.
Eine Verschiebung. Leise zunächst, dann immer deutlicher.
Die Gebärmutter als Verankerung der neuen Stärke
Die schöpferische Kraft, die jahrzehntelang nach außen geflossen ist – in Kinder, in die Familie, ins Versorgen, ins Tragen von anderen – kehrt zurück. Nicht weil man aufhört zu geben. Sondern weil sie frei wird und in neue Richtungen fließen kann. Es ist, als würde aus der Gebärmutter eine eigene Kraftquelle erwachsen. Was vorher Leben nach außen geboren hat, steht jetzt für etwas anderes zur Verfügung.
Für die eigene Stimme. Das eigene Werk. Die Fragen, die jahrelang warten mussten.
Etwas Neues darf entstehen, mehr Sicherheit, weniger Anpassung
Viele Frauen beschreiben in dieser Phase – wenn der unmittelbare Druck der Symptome etwas nachlässt oder ein Raum entsteht, um hinzuschauen – ein Gefühl von wachsender Klarheit. Mehr Sicherheit im eigenen Urteil. Weniger Bereitschaft, sich zu verbiegen und anzupassen oder Dinge zu tun, die sich falsch anfühlen. Eine Art inneres Aufräumen, das sich niemand verordnet hat, das einfach passiert.
Das ist kein esoterisches Konstrukt. Das ist Reifung – körperlich, psychisch, seelisch, als ein Prozess.
In manchen Kulturen und Traditionen trägt diese Lebensphase den Namen „zweiter Frühling“. Nicht weil der erste Winter nie kommt. Sondern weil nach dem Sommer der Fruchtbarkeit nicht sofort alles erstirbt – sondern noch einmal etwas aufgeht. Nur anders. Tiefer. Mit mehr Wurzeln.
Respekt und Anerkennung für Symptome
Ich möchte vorsichtig sein mit dem, was ich hier sage. Denn ich kenne Frauen – in meinem direkten Umfeld, in meiner Arbeit – die in dieser Phase wirklich leiden. Die mit starken Blutungen kämpfen, mit Schlaflosigkeit, mit Erschöpfung, die sich wie eine Wand anfühlt. Frauen, die gerade so durch den Tag kommen.
Für diese Frauen wäre es falsch – und ehrlich gesagt auch anmaßend – zu sagen: „Schau mal, was Schönes hier gerade passiert.“
Das ist nicht der Punkt.
Neue Perspektive
Der Punkt ist: Diese andere Ebene existiert. Sie ist real. Und sie verdient es, auch erzählt zu werden. Nicht als Trost. Nicht als Gegenargument zu dem, was schwer ist. Sondern als das, was sie ist: ein Teil der Wahrheit dieser Lebensphase, der im Moment kaum Raum bekommt.
Wenn jemand gerade mit dem Alltag kämpft, ist der Gedanke vielleicht zu weit weg. Da braucht es konkrete Hilfen und Unterstützung und keine schöne Idee. Aber wenn der Kopf wieder frei ist – wenn ein Moment der Stille entsteht, Raum für diese Perspektive entsteht – dann lohnt es sich, hinzuschauen.
Was kehrt hier eigentlich zurück?
Diese Frage ist für mich kein Gedankenspiel. Sie ist die Haltung, mit der ich diese Phase lebe. Und sie ist auch der Kern von dem, wie ich Frauen in meiner Arbeit begleite: nicht mit dem Blick auf das, was fehlt oder funktioniert. Sondern mit dem Blick auf das, was sich zeigt, wenn man dem Körper zuhört statt ihn stumm zu schalten.
Die Perimenopause ist eine Schwelle. Kein Defizit, das es zu managen gilt.
Was auf der anderen Seite dieser Schwelle wartet, ist für jede Frau anders. Aber die Frage lohnt sich für alle:
Was wird in mir gerade frei?
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